Antike Geschichte

Seit dem dritten Jahrhundert v. Chr. wird die Insel Samos bewohnt, die in der Antike verschiedene Namen wie Doryoussa, Parthenia, Anthemis, Melamfyllos und Fyllas hatte. Sie wurde zunächst von Pelasgern, Lelegern und Karern besiedelt, wovon letztere aus Kleinasien (der heutigen Türkei) kamen. Danach ließen sich mykenische Kolonisten auf der Insel nieder, die von dem mythischen König Angaeus geführt wurden. Dies wurde durch Münzen belegt, die mit seinem Bild geprägt waren. Angaeus, der ursprünglich von der Insel Ithaca kam, ging nach Samos, nachdem ihm das Orakel von Delphi prophezeit hat, dass er dort hin gehen und eine Kolonie gründen würde. In Anlehnung an eine andere Version wurde Angaeus auf Samos geboren und sein Vater soll der Meeresgott Poseidon gewesen sein. Die gleiche Version besagt auch, dass Angaeus an der Argonautenreise teilnahm. Laut Herodotus hat auch Homer die Insel Samos irgendwann zwischen 1130 und 1120 vor Chr. besucht.

Aufgrund seiner strategisch guten Stellung wurde Samos zwischen 700 und 532 v. Chr. zu einem unabhängigen Machtzentrum und beschützte die Region Ionien, die an der südwestlichen Küste von Kleinasien liegt. Zu dieser Zeit lebten einige der größten Denker des Antiken Griechenlands: Der berühmte Mathematiker und Philosoph Pythagoras, der Astronom Aristarchus, der Architekt Mandrocles, der eine Brücke über den Hellespont (der antike Name der Dardanellen-Meerenge) baute, der Philosoph Melissus, die brillanten Architekten Rhoeucus (griechisch Rhoikos) und sein Sohn Theodorus, der mit Hilfe von Lehmmodellen, die Kunst, hohle Bronze-Statuen zu gießen erfunden hat und auch den Tempel von Heraion baute. Außerdem lebte Kaleos, der einer der ersten griechischen Seemänner war und als Erster durch die Säulen des Herkules segelte (altertümlicher Name für die Meeresenge von Gibraltar), der Maler Saurias (Savrias), über den gesagt wird, er habe den ersten Stein für die Zeichenkunst gelegt, indem er den Umriss eines Pferdes von dessen Schatten an der Wand abzeichnete und der Siegel-Graveur Mnesarchus, der Vater des Mathematikers und Philosophen Pythagoras.

Samos erreichte die Blütezeit seiner sozialen, politischen und kulturellen Entwicklung während der Herrschaft des Tyrannen Polycrates (532 – 522 v. Chr.). In dieser Periode wurde Samos zum Zentrum der ionischen Zivilisation (Ionien ist der altertümliche Name des an der südwestlichen Küste liegenden Anatoliens, eine Region, die heute zur Türkei gehört). Mit der starken samischen Flotte gelang es, die Kontrolle über das Ägäische Meer zu gewinnen und somit die Unabhängigkeit gegenüber dem Perserreich zu wahren. Alle Küsten-Stadtstaaten (poleis) hatten keine andere Wahl als die Übermacht von Samos zu akzeptieren und hohe Steuern im Austausch für ihre Sicherheit und Unabhängigkeit zu zahlen. Mit der Zeit wurde Samos zusammen mit seinen untergeordneten Stadtstaaten ein starker Inselstaat, der sich mit Peisistratus, dem Tyrann von Athen, Lygdamus, dem Tyrann von Naxos und mit dem Ägyptischen Pharao Amasis II (auch Ahmose II geschrieben) verbündete. Polycrates eröffnete eine Bibliothek, die eine Sammlung der wertvollsten und bedeutendsten Werke des menschlichen Gedankengutes dieser Zeit repräsentierte. Schon bald wurde diese Bibliothek ein intellektuelles Zentrum und zog die brillanten Denker dieser Zeit an. Während des sechsten Jahrhunderts v. Chr. wurden viele große Bauprojekte in Samos durchgeführt, wie die Ausweitung der Stadtmauern, der Bau des Eupalinos Aquädukts sowie die Renovierung des Theaters und des Hafens, welcher von Herodotus als „Festung im Meer“ betitelt wurde.

Der inkompetente Nachfolger von Polycrates untergrub die Machtstellung von Samos, so dass die Insel schließlich bis 479. v. Chr. in die Gewalt der Perser fiel. In diesem Jahr unterlagen die persischen Streitkräfte den Samiern, die sich mit den anderen ionischen Stadtstaaten verbündet hatten und in der Schlacht an der Mykale die komplette Flotte der Perser zerstörten. Nachdem sich die Perser zurückgezogen hatten, erlangte Samos seine Freiheit zurück und wurde ein bedeutendes Mitglied des ersten Attischen Seebundes (auch Attisch-Delischer-Seebund genannt), welcher von Athen aus geführt wurde. Anschließend unterlagen die Samier Sparta und fielen ein Jahrzehnt später wieder unter die persische Herrschaft. Unter der Führung des attischen Feldherrn Timotheus befreiten die Athener Samos von den Persern.

Während der Ausweitung des Mazedonischen Königreiches im vierten Jahrhundert v. Chr. diente Samos als Ausgangspunkt für die Feldzüge von Alexander dem Großen (336–323 v. Chr.) gegen das Perserreich. Während des Römischen Reiches bildeten Samos, Rhodos (Rodos) und andere Nachbarinseln die römische „Provincia Insularum“.